Seminar FS 2018: Perspektiven wirtschaftsrechtshistorischer Forschung

I. Zu den Inhalten

Die Wirtschaftsrechtsgeschichte hat zwar gerade im deutschsprachigen Raum eine lange Tradition, die sich bis zur Zeit der Historischen Schule der Nationalökonomie im späten 19. Jahrhundert verfolgen lässt. Trotzdem sind im 20. und 21. Jahrhundert wirtschaftsrechtsgeschichtliche Fragestellungen zeitweilig eher in den Hintergrund der Aufmerksamkeit gerückt. Das hat sich in den letzten Jahren allerdings geändert. Die Geschichte des Gesellschaftsrechts, die Entstehung der modernen Finanzmärkte und die Bedeutung von Spekulation und Finanzkrisen, die Frage nach den Traditionslinien von Wettbewerbsrecht oder in jüngster Zeit die Geschichte des Geldrechts sind Beispiele für Themen, die mittlerweile auch im rechtsgeschichtlichen Diskurs debattiert werden. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach den künftigen Perspektivbildungen wirtschaftsrechtshistorischer Forschung und ihrem Verhältnis zu den Nachbarwissenschaften der Rechtswissenschaft wie insbesondere zu den Geschichts- und Sozialwissenschaften. Dem soll das Seminar in der Auseinandersetzung mit konkreten Gegenständen der Wirtschaftsrechtsgeschichte nachgehen.

II. Themen

  1. Die Entstehung der Wirtschaftsrechtsgeschichte: Entwicklungslinien der wirtschaftsrechtshistorischen Forschung seit dem 19. Jahrhundert

  2. Geldrecht und Herrschaftsordnung: Die herrscherliche Verfügungsmacht am Geldwert und ihre Grenzen in Mittelalter und früher Neuzeit.

  3. Geld und Vertrag: Die Bewältigung von Geldwertrisiken in Rechtspraxis und Rechtswissenschaft in Mittelalter und früher Neuzeit.

  4. Legitimation der Neuzeit durch Risiko und Spekulation? Entstehung und Entwicklung des Risikobegriffs.

  5. Die Kolonisierung der Zukunft: Entwicklungslinien von Versicherungen und Versicherungsrecht.

  6. Börsen im Spannungsfeld von Marktfreiheit und staatlicher Regulierung: Die schweizerische Börsenrechtsgeschichte als Beispiel.

  7. Kapitalgesellschaften, Industrialisierung und Rechtsentwicklung: Die Wechselbeziehung zwischen Kapitalgesellschaftsrecht und Wirtschaftsdynamik im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

  8. Vom Individualrechtsschutz zum „more economic approach“: Kartellrechtstraditionen des 19. und 20. Jahrhunderts.

  9. Marktregulierung und staatliche Organisation: Entwicklungspfade der Organisation von Marktregulierung in den USA und in Europa im Vergleich.

  10. Globale Wirtschaft in der Frühen Neuzeit: Entstehung und Entwicklung der Seehandelsgesellschaften

  11. In Spekulationskrisen der Frühen Neuzeit: von der Tulpenkrise (1637)  zur South Sea Bubble (1720)

  12. Geschichte des Geistigen Eigentums in der Schweiz im späten 19. und im 20. Jh.

  13. Eine andere Art des Wirtschaftens: Die Entwicklung des Genossenschaftsrechts in der Schweiz 

  14. Die Kodifikation des Handelsrechts im 19. Jh.: Schweiz und Deutschland im Vergleich

  15. Die Kriegswirtschaft im Ersten Weltkrieg und deren Folgen für das Wirtschaftsrecht

  16. Staatliche Wirtschaftssteuerung im Totalitarismus

  17. Der lange Weg zum schweizerischen Gesetz zum unlauteren Wettbewerb (UWG) von 1943

III. Leistungsnachweis

Ein (benoteter) Leistungsnachweis wird erworben durch eine mit mindestens der Note 4.0 bewertete schriftliche Seminararbeit, eine mündliche Präsentation der Ergebnisse der Seminarar-beit sowie aktive Teilnahme an den Diskussionen der anderen Themen. Die mündliche Beteiligung wird in die Bewertung der Seminarleistung miteinbezogen.

Die Zuordnung der Seminarleistung zu den Fachbereichen Öffentliches Recht oder Privatrecht ist möglich.

IV. Termin und Ort

Das Seminar findet als Blockveranstaltung im Mai 2018 statt. Termin und Ort werden noch bekannt gegeben.

V. Zulassung

Das Seminar steht Studierenden der Rechtswissenschaft in der Aufbaustufe und auf Masterebene offen. Studierende anderer Fakultäten sind herzlich willkommen.

VI. Masterarbeiten

In begrenztem Umfang können zu einzelnen Themen auch Masterarbeiten unter der Betreuung von Andreas Thier angefertigt werden. In diesem Fall werden Ergebnisse und Überlegungen zur Masterarbeit in Form eines Referates am Seminar präsentiert. Bei der Themenvergabe haben Studierende der Aufbaustufe grundsätzlich Vorrang. 

VII. Anmeldung

Anmeldungen sind elektronisch möglich unter lst.thier@rwi.uzh.ch. Bitte geben Sie drei thematische Präferenzen an. Wir benötigen ausserdem Ihren Namen, Ihre Matrikelnummer und Ihre Adresse. Ihre Daten werden selbstverständlich strikt vertraulich behandelt. Die Themenvergabe erfolgt grundsätzlich nach dem Prioritätsprinzip.

VIII. Abgabetermine

Die Seminararbeit ist vor der Seminarveranstaltung einzureichen. Eine Disposition kann, muss aber nicht eingereicht werden.

Genauere Angaben zu den Terminen der Abgabe werden noch bekanntgegeben.