Seminar HS 2017: Wissensordnungen des Rechts

 

I. Zu den Inhalten 

Wissen braucht Ordnung. Ohne Struktur ist Wissen kein Wissen, sondern bestenfalls Erinnerung an etwas. Das gilt ganz besonders für das Wissen von und über Recht. Das Wissen über Rechtsnormen und über die Deutungen von Recht ist stets an Ordnungen gebunden. In den Regeln über die systematische Auslegung und in Konzeptionen von Normhierarchien werden solche Elemente von Wissensordnungen auch in der Gegenwart von Recht und Jurisprudenz greifbar.  Wissensordnungen von Recht sind aber nicht statisch, sondern sind historischem Wandel unterworfen. Sie sind abhängig von wandelnden Weltbildern – etwa im Hinblick auf die Bedeutung von Gott und Glaube oder den Stellenwert von Vernunft oder Geschichte. Diesen Wandlungen, ihren Voraussetzungen und Konsequenzen wollen wir gemeinsam im Seminar nachgehen. Die Beobachtung setzt ein in der Spätantike und reicht bis ins späte 19. Jahrhundert.

II. Themen

Einleitung: Konzeptionen von Wissensordnungen

1. Antike und Frühmittelalter

a) Das Erbe des römischen Rechts: Institutionen und Corpus Iuris Civilis

b) Die Epitome als Ordnungsentwurf

c) Ordnungselemente in den Volksrechten

d) Kanonessammlungen

 

2. Hochmittelalter

a) Naturrechtlex und mos: Ordnungsvorstellungen von Kanonistik und Legistik (vergeben)

b) Das decretum Gratiani und die päpstlichen Rechtsbücher

c) Dekretistik und Dekretalistik (am Beispiel Strafrecht oder Privatrecht oder Amtsrecht)

d) Ordnungselemente der mittelalterlichen Dogmatik: Glosse und lectura

e) Entwürfe von „Theologen“: Thomas von Aquin als Beispiel (vergeben)

 

3. Neuzeit

a) Humanistische Jurisprudenz und Topik (vergeben)

b) Hugo Donellus und die Systembildung der humanistischen Jurisprudenz (vergeben)

c) Die Schule von Salamanca (vergeben)

d) Usus modernus pandectarum (vergeben)

e) Der mos geometricus und die Vernunftrechtsjurisprudenz (vergeben)

f) Anfänge der Ordnungsbildung im deutschen Privatrecht: Justus Friedrich Runde und die „Grundsätze des allgemeinen deutschen Privatrechts“ (vergeben)

g) Mediale Neuansätze: Enzyklopädien und Umgestaltungen des Kommentars (vergeben)

 

4. Moderne

a) Der Aufstieg der Geschichte: Die Historische Rechtsschule (vergeben)

b) Konstruktions- und Begriffsjurisprudenz (vergeben)

c) Kodifikationen: Kantonale Gesetzbücher, ZGB / OR, Code Civil, BGB (eventuell als Einzelreferate)

d) Post-kodifikatorisches Zeitalter? Dekodifikation, acquis und DCFR

 

III. Leistungsnachweis

Ein (benoteter) Leistungsnachweis wird erworben durch eine mit mindestens der Note 4.0 bewertete schriftliche Seminararbeit, eine mündliche Präsentation der Ergebnisse der Seminararbeit sowie aktive Teilnahme an den Diskussionen der anderen Themen. Die mündliche Beteiligung wird in die Bewertung der Seminarleistung miteinbezogen.

Die Zuordnung der Seminarleistung zu den Fachbereichen Öffentliches Recht oder Privatrecht ist möglich.

 

IV. Termin und Ort

Das Seminar findet als Blockveranstaltung am 12./13. Oktober 2017 voraussichtlich in Basel statt. Genauere Angaben folgen.

 

V. Zulassung

Das Seminar steht Studierenden der Rechtswissenschaft in der Aufbaustufe und auf Masterebene offen. Studierende anderer Fakultäten sind herzlich willkommen.

 

VI. Masterarbeiten

In begrenztem Umfang können zu einzelnen Themen auch Masterarbeiten unter der Betreuung von Andreas Thier angefertigt werden. In diesem Fall werden Ergebnisse und Überlegungen zur Masterarbeit in Form eines Referates am Seminar präsentiert. Bei der Themenvergabe haben Studierende der Aufbaustufe grundsätzlich Vorrang. 

 

VII. Anmeldung

Anmeldungen sind elektronisch möglich unter lst.thier@rwi.uzh.ch. Bitte geben Sie drei thematische Präferenzen an. Wir benötigen ausserdem Ihren Namen, Ihre Matrikelnummer und Ihre Adresse. Ihre Daten werden selbstverständlich strikt vertraulich behandelt. Die Themenvergabe erfolgt grundsätzlich nach dem Prioritätsprinzip. Die Anmeldung ist verbindlich. Nach erfolgter Anmeldung ist keine Abmeldung mehr möglich.

Die Anmeldefrist für das Seminar ist der 31. Mai 2017.

 

VIII. Abgabetermine

Der Abgabetermin ist der 13. September 2017. Die Arbeit muss sowohl elektronisch an lst.thier@rwi.uzh.ch als auch physisch (Poststempel) eingereicht werden.  Eine freiwillige Disposition kann bis zum 16. Juli 2017 eingereicht werden.
Bitte beachten Sie beim Anfertigen ihrer Seminararbeit folgendes Merkblatt:

Merkblatt Seminar 2017 (PDF, 91 KB)