OTC-Handel mit nichtkotierten Aktien

Lead SNF Projekt: OTC-Handel mit nichtkotierten Aktien

Mittels elektronischer Handelssysteme (nachfolgend OTC-Plattformen) ermöglichen Banken einen ausserbörslichen Handel mit Aktien mittelgrosser Unternehmen, welche nicht an eine Börse kotiert sind. Die bisherige rechtswissenschaftliche Forschung zum ausserbörslichen Handel beschränkt sich auf die derivativen Finanzprodukte. Demgegenüber fehlt eine systematische Auseinandersetzung mit dem ausserbörslichen Handel von nichtkotierten Aktien in der Schweiz. Das Projekt soll einen Beitrag zur Schliessung dieser Forschungslücke leisten.

Inhalt und Ziele des Forschungsprojekts

Die von Banken betriebenen OTC-Plattformen, über die der Handel mit nichtkotierten Aktien abgewickelt wird, werden bisher regulatorisch nicht als Handelsinfrastrukturen erfasst. Angestossen von der europäischen Regulierung ist nun im Rahmen des Gesetzgebungsprojekt FinfraG eine Erfassung dieser Plattformen als Finanzmarktinfrastruktur geplant. Jedoch fehlt bisher eine vertiefte Auseinandersetzung mit dieser Thematik im Gesetzgebungsverfahren. Im vorliegenden Projekt sollen daher die Fragen der Notwendigkeit und Ausgestaltung der Regulierung von OTC-Plattformen grundlegend geprüft werden. Aufgrund der Internationalität von Regulierung und Forschung soll hierfür ein Rechtsvergleich mit ausländischen Rechtsordnungen vorgenommen werden.

Die OTC-Plattformen stellen den Gesetzgeber auch im Handelsrecht vor neue Herausforderungen. Das geltende Aktien- und Börsenrecht unterscheidet faktisch zwischen einem Recht der Publikumsgesellschaften und einem Recht der privaten Aktiengesellschaften, indem es an die börsenrechtliche Kotierung anknüpft. Dies führt dazu, dass Gesellschaften, deren Titel an einer OTC-Plattform gehandelt werden, den rechtlichen Rahmenbedingungen der privaten Aktiengesellschaften unterliegen. Das Forschungsprojekt untersucht die damit einhergehenden rechtlichen Probleme. Im Zentrum stehen hierbei die unterschiedlichen aktienrechtlichen Regelungen hinsichtlich Vinkulierungsordnung, Transparenzpflichten und Rechnungslegung sowie das Börsengesellschaftsrecht des BEHG.

Ausgehend von den Ergebnissen sollen bei Feststellung eines Reformbedarfs Vorschläge erarbeitet werden. Insbesondere sollen Alternativen zur Anknüpfung an die Kotierung untersucht werden.