03.12.2009
Kongress
Behaviour Guides and Law
The Particular and the Universal of the (In)formal
3./4. Dezember 2009 in Wien
Prof. Marcel Senn wird im Rahmen dieses Kongresses einen Vortrag mit dem Titel "Sovereignty – some critical remarks on the Genealogy of Governance" halten.
Verhaltenslehren und Recht formen je eigen strukturierte Regeln für das Zusammenleben. Die Verrechtlichung des Sozialen ist in der bürgerlichen Moderne lange Zeit als Triumph der Vernunft über Partikularinteressen, als zunehmende Zivilisierung physischer Gewalt verstanden worden.
Diese "große Erzählung" der Moderne ist einerseits seit geraumer Zeit als Produkt einer bürgerlichen (Affekt-)Kultur, als eurozentristisch und deshalb eben nicht universell und universalisierbar, sondern als lokal und interessengebunden kritisiert worden.
Andererseits erscheinen in aktuellen internationalen, globalen und lokalen Konflikten vermehrt Akteure (NGOs, Sicherheitsdienste, soziale Bewegungen) auf der Bühne der Politik, deren Aktionsraum intermediär und parastaatlich ist und die seitwärts zu kodifiziertem Recht agieren. Ein Indiz dieser Dynamik sind Verfahren, die eher auf Ethiken als auf juristischen Verfahren basieren (z.B. Wahrheits- und Versöhnungskommissionen). Ähnliches ist auch für Konfliktlagen in den postfordistischen Gesellschaften zu beobachten: Soziale Kämpfe werden zunehmend als Stildiskussionen und Verhaltensfragen artikuliert und weniger als Auseinandersetzungen über formale Teilhabe. Diese Dynamik äußert sich auch in der Konjunktur von Ratgeberliteratur, Benimmkursen und Beratungssoaps.
Während in Medien und Politik die mangelnde Durchschlagskraft rechtlicher Normen schlicht als Problem der Korruption, der mangelhaften Gesetzeslage, der untätigen Justiz kritisiert wird, ist der kulturwissenschaftliche Blick darauf ein anderer: Die TagungsteilnehmerInnen greifen daher die Gegensätzlichkeiten der vorliegenden Debatten zum Verhältnis von Ethik und Recht nicht als Entweder-oder auf; vielmehr sollen die neu entstehenden Ordnungen und Neubewertungen dieser Pole in den Blick genommen werden.
Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK)
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